Mundartnacht

Gägäwärt 2008 - Solothurnerzeitung

Alles, was Mundart bietet

Die sechste «gägäWärt» begeisterte das Publikum


Überraschend viele Frauen und Musiker traten an der diesjährigen Mundartnacht gägäWärt im Kofmehl auf. Die Auftritte sorgten für hervorragende Unterhaltung.

DANIEL GLUTZ

«Ein Drittel der Männer sind Frauen», versprach sich Simon Chen bewusst, als er zu Beginn auf den grossen Frauenanteil der diesjährigen sechsten Mundartnacht hinwies, die auch diesmal von Radio DRS aufgenommen wurde. Vier der auftretenden dreizehn Künstler waren weiblich und somit nahe der Frauenquote im Bundesrat und eine der höchsten an einer Mundartnacht. Eine dieser Frauen war Daniela Dill aus Basel, die aus ihrer Reihe «Kleine Episoden, die das Leben schreiben» eine Geschichte vortrug. Die 25-Jährige, die ansonsten nur auf Hochdeutsch liest, erzählte, das erste Mal auf Mundart, von einem Auftritt an einem Jubiläum eines Möbelgeschäftes. Es war nicht ihr grosser Durchbruch, dafür waren das Jubiläum und das Möbelgeschäft zu klein gewesen. Die tragikomische Anekdote, wie sie vor acht Leuten, darunter der Ladenbesitzer und seine Familie, den künstlerischen Beitrag gab und als Lohn einen gebrauchten dreieckigen schwarzen Sitzsack erhielt, vermochte das Publikum im Kofmehl gut zu unterhalten.

Seit längerem im Mundartgeschäft sind Fränzi Mädorin, die die meisten wohl aus dem Kollektiv «Les reines prochaines» kennen, und Gisela Widmer. «Miss Zeitlupe» wurde als Ehrengast angekündigt. Die Koryphäe der Mundartkunst liess sich über die Hundehalter aus und begrüsste die angekündigte Prüfung für die Herrchen und Weibchen dieser Schweiz. Sie ist sich aber noch nicht ganz sicher, was beim Nichtbestehen der Prüfung passieren soll. Den Hundehalter einschläfern zieht sie als eine mögliche Lösung nur in Betracht.

Die missratene Tochter des Dudens

Nebst den Frauen hatten auch die Musiker ihren Platz an der Mundartnacht. Der Lokalmatador Dülü Dubach brachte mit seinem Akkordeon und der rauchigen Stimme die Zuschauer zum Mitklatschen. In dem einen Lied geht es um die Liebe zu seinem «Schatz», den er als «Rahm i mim Kaffi» bezeichnet, im zweiten um das Gegenteil, den Hass, den er gegen den «Sousiech» hegt. Ebenfalls musikalisch trat Manuel Stahlberger auf, der grossen Erfolg mit seinen Comics «Herr Mäder» feiern konnte. Mit seiner Mini-Ukulele und der ruhigen und sanften Stimme erzählte er von seiner Busfahrt nach Rüti, als er einem Fenchel essenden Mitpassagier gegenübersitzt.

Moderator Simon Chen führte locker und witzig durch den Abend. Nebst seinen Ansagen liess er es sich nicht nehmen, zwei Texte zum Besten zu geben. In dem einen liess er die Bücher zum Leben erwecken und zeichnete so ein amüsantes Gespräch zwischen Novellen, Romanen und Co. auf, bei dem die Neue Deutsche Rechtschreibung als missratene Tochter des Dudens galt.

Auch die Tonalität spielt eine Rolle

Dass sich auch die Jugend für mundartige Wortkunst interessiert, bewiesen die zwei Jung-Talente Remo Zumstein 19, aus Burgdorf und Laurin Buser, 17, aus Arlesheim. Zumstein hatte mit seinen Texten, in denen er mit getauschten Buchstaben irrwitzige neue Wortkombinationen kreiert, die Lacher auf seiner Seite. Der U-20-Poetry-Slam-Meister Buser zeigte, dass seine Stärken nicht nur in den Texten liegen, sondern auch in der Tonalität. So rappte er seine Reime in den verschiedenen Rap-Stilen und den dazupassenden Texten dazu

© | Ausgabe vom 05.05.2008

 
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